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Die paar Delegierten?

SPON macht seine Geschichte über Bernie Sanders' Vorwahl-Sieg in Wyoming so auf: »Noch ein Sieg für Bernie Sanders: Der Senator gewinnt die Vorwahlen zur US-Präsidentschaftskandidatur in Wyoming. Viel werden ihm die paar Delegierten allerdings nicht bringen.«

Auf der Stelle Vollgas fahren: Draghi vs. Schäuble

Wirtschaftsjournalist Thomas Trares beschreibt für die Nachdenkseiten, wie unterschiedlich Draghi und Schäuble die Krise auffassen und was sie jeweils (nicht) dagegen tun: »Draghi fährt eine expansive Geldpolitik à la Keynes und Schäuble eine restriktive Fiskalpolitik à la Milton Friedman. Keynesianismus und Monetarismus nebeneinander, beides gleichzeitig. Irre.«

Emilio Martini live

Hier, da und dort: Unabhängige Justiz in Gefahr

Ein Tag, drei Nachrichten, ein Tenor:

Yanis Varoufakis im »Stern«

Von den vielen Interviews, die Yanis Varoufakis in der deutschen Presse gegeben hat, ist dieses wahrscheinlich das beste. Ironischerweise deshalb, weil der Interviewer lausige, voreingenommene Fragen stellt und der ehemalige Finanzminister mal so richtig vom Leder ziehen kann. 

Stiglitz in der NYT über Griechenland und IWF

Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz hat in der New York Times einen sehr wichtigen Artikel veröffentlicht, der leider etwas spät kommt. Sein Buch »Die Schatten der Globalisierung« habe ich mehr oder weniger zufällig so 2007/2008 gelesen. In ihm erläutert er genau dieses systematische Versagen (jedenfalls gemessen am erklärten Zweck) der IWF-Politik an einer ganzen Reihe von Beispielen. Ich hielt das für einen hinreichenden Grund, den IWF nach Möglichkeit künftig aus dem Spiel zu lassen und war geradezu erschrocken, als Merkel diesen Laden dann 2010 doch wieder ins Spiel brachte. Ich halte es für wahrscheinlich, dass es der Kanzlerin dabei letztlich nicht um Finanzen ging (Europa ist wirtschaftlich stark genug, um so ein Problem aus eigener Kraft zu lösen), sondern um die Anwendung und leichtere Durchsetzung genau dieser marktfundamentalistischen Ideologie, für die der IWF schon lange bekannt und berüchtigt war.

Warum der Blog so heißt wie er heißt


The Disposable Heroes Of Hiphoprisy: Music... von Jjnm-verdonck

Timothy Geithner als Yanis Varoufakis' »Kronzeuge«

So langsam setzt sich wie ein Mosaik das Bild zusammen, was eigentlich seit dem Wahlsieg von Syriza zwischen der griechischen Regierung und »unseren Partnern« (O-Ton Varoufakis), den »Institutionen« (ehemals »Troika«, also IWF, Eurogruppe und EZB) wirklich vorgefallen ist. Die Institutionen verfolgten keine Einigung, sondern beharrten auf der Einhaltung des gültigen Memorandums und taten alles, um die griechische Regierung schlecht dastehen zu lassen. Ein Scheitern der Verhandlungen war möglicherweise erwünscht, und im Hintergrund war offenbar der Leitgedanke wirksam, dass jedenfalls für das übrige Europa ein »Grexit« (der vertraglich wohlgemerkt überhaupt nicht vorgesehen ist), also das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone, die sinnvollste Variante wäre. Yanis Varoufakis sprach in seinem Interview mit dem New Statesman ganz offen darüber, und kürzlich tauchte ein Interview mit einem anderen (anonymen) griechischen Verhandlungsteilnehmer auf, der in seiner eigenen Diktion ähnlich lautende Überlegungen äußerte. 

Parallel Realities?

Gordon Gernand hatte ich bisher nicht »auf dem Schirm«, aber diese Sätze unterschreib ich gerne: »Seit Tagen, Wochen, Monaten schalte ich die Kiste ein, schaue mir die Artikel im Netz an und weiß nicht, ob ich noch in der selben Realität lebe wie Rolf-Dieter Krause, Sigmund Gottlieb oder die halbe Belegschaft der F.A.Z. oder der Welt.«
Was da genau passiert ist, schreibt Gernand nicht, aber eine gute Bestandsaufnahme ist sein Artikel auf jeden Fall.

Der osteuropäische Irrglaube

Flassbeck in Telepolis: »Das ist enorm aufschlussreich, weil es vermutlich typisch dafür ist, wie große Teile der osteuropäischen Politiker die gegenwärtige Auseinandersetzung deuten. Für sie gilt es, die "Marktwirtschaft" Arm in Arm mit der deutschen Bundeskanzlerin (die ja aus einem ähnlichen Umfeld kommt) gegen die zu verteidigen, die das "System" angreifen wollen. Ich bin überzeugt davon, dass 80 bis 90 Prozent aller Politiker in Osteuropa (einschließlich des Gebietes, das man heute Ostdeutschland nennt) wirklich glauben, es gehe hier um das "System der Marktwirtschaft" als solches.«